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Reisetag: Apollo Bay bis Phillip Island /Great Ocean Road II

Nach zwei Nächten im Retreat zog es uns wieder hinaus in die Welt. Zu unserem Glück war auch der zweite Teil der Great Ocean Road befahrbar. Hier hatte es zwei Tage vorher noch eine Straßensperre wegen Waldbränden gegeben.

An diesem Samstag hatten wir nicht nur unseren längsten Fahrabschnitt vor uns, wir erwischten auch einen Event-Hauptreisetag. Das tat unserer Stimmung keinen Abbruch: Spektakulär windet sich die Great Ocean Road um die Küste. Tolle Ausblicke entschädigen für die engen Kurven. Ganz klar, dieser Abschnitt lebt von der Küste und kommt ohne Apostel aus.

Und auf was trifft man auf dieser Strecke gleich im nächsten Ort? Richtig: Stau. Gott sei Dank war dieser in der Gegenrichtung. Auf unserer Seite war es ein kurzfristiges Fahren in Schrittgeschwindigkeit. Aber immerhin, wir fuhren - das konnte man von der Gegenseite nicht behaupten. Grund für den Andrang war übrigens der Crawl to Pub. Man stürzt sich in die Fluten und schwimmt quasi zum Pub. Lorne erwartet dann ca.4.000 Besucher.

Unsere Streckenführung war da leichter: Auto - Fähre - Auto.
Aber auch wir kamen in den Genuss eines kurzen Staus. Auf Phillip Island war ein Oldtimer-Wettbewerb (und ja, man fuhr standesgemäß mit dem Oldtimer nach Phillip Island). Darüber hinaus noch irgendeine Modellbahnaustellung. Und natürlich Wochenende. Phillip Island ist nur etwa zwei Stunden von Melbourne entfernt und dient als Naherholungsziel. Aber absolut pünktlich und mit einem erstaunlich guten Kaffee im Bauch (der zufällig von einem hervorragenden, hausgemachten Muffin begleitet wurde) kamen wir an unserem Domizil an.

Ein einfacher Bungalow-Park mit Campingmöglichkeit. Völligst ausgebucht. Oh, du ruhiges Retreat, wie war es doch schön...

9.1.16 23:17, kommentieren

Licht und Schatten

Orte wie auch die dazu gehörigen Attraktionen scheinen hier in Australien immer bestimmte Reisegruppen anzusprechen. Warrnambool z. B. war von den Touristen her fest in australischer Hand. Apollo Bay ist eher ein Hotspot für die Deutschen. Wir hatten uns eine Fahrt ins Hinterland rausgesucht und einen Baumwipfelpfad. Dieser wiederum war amerikanisch.

Nach einer kleinen Serpentinenfahrt durch den dortigen Wald - das konnte uns nach der Schotterpiste fahrtechnisch natürlich nicht mehr beeindrucken - kamen wir bei Ottway Fly an. Es ist der höchste Baumwipfelpfad in Victoria - ich glaube, die Konkurrenz ist nicht besonders groß. In der Sandwich Position ging es für uns ins Gedränge. Vor uns eine langsame amerikanische Familie mit lauten Schnauben und Schaufenster-Krankheit. Hinter uns: Alaska und ihre Familie, bestehend aus Alaska und ihrem Bruder, dem kleinen Geschwisterchen den Eltern, Oma und Opa mit Rollator. Also schon alleine zahlenmäßig ein bedrohlicher Verein. Zur Unterstützung machte man natürlich Krach. Alaska und ihr Bruder begrüßten euphorisch jeden Baum in der Umgebung. Die Eltern wiederum riefen ständig ihren Kindern hinterher. Sagen wir mal, schön ist anders.

Aber die Höhen eines Baumwipfelpfades haben ja durchaus was für sich: nach anfänglicher Euphorie kommt meist ein gewisses Unbehagen - oder eben Angst um die Kinder. Kurzum, der Besuch unserer Mitstreiter war eher etwas kürzer. Zumal die Beschreibung des Parks stimmte: schwingen sie mit unserem Weg mit... (Wobei man insgesamt sagen muss, dass das ganze Konstrukt wirklich für jung und alt gedacht und geeignet ist.)

Nach einer kurzen Stärkung im dortigen General Store mit Café und Museum (also einer Scheune mit Verkauf von hausgemachten Produkten und ein paar Relikten vergangener Zeiten), hatten wir uns noch einen kleinen Wasserfall rausgesucht. Einen guten Kilometer ging es runter in den Wald. Ein paar Australier trafen wir auf der Strecke - ansonsten Niemand.

8.1.16 23:50, kommentieren

Szenen einer Ehe - Frühstück im Retreat

Um den Tag gemütlich zu starten - ohne gleich die Abfahrt zu nehmen - hatten wir uns für das Frühstück im Retreat angemeldet. Gemäß der Gastgeberin war das Frühstück eher deutsch angehaucht. Käse und Wurst wurden zu hausgemachten, dunklen Brot gereicht. Natürlich, Eier, Toast und gebratene Pilze gab es auch. Aber die europäischen Gäste, ebenso wie wir, freuten sich.

Anders da das amerikanische Ehepaar. Er, gut gelaunt, in kurzer Hose und T-Shirt (Respekt, es waren eher eifeler Morgen-Temperaturen, also schattig), grüßte sehr freundlich. Cornelia fragte gleich nach Tee oder Kaffee - und auch, ob man Toast haben wolle. Er war aber ganz glücklich mit Angebot und nahm sich Ei, wie auch Joghurt. Sie toastete mit Cornelias Hilfe das selbstgebackene, helle Brot mit einem (naja sagen wir mal höflich) skeptischen Blick.

Am Tisch dann gab er alles.
Er: "Und, wie hast du geschlafen?"
Sie: "Schlecht."
Er: "war es denn warm genug?"
Sie: "Nein, aber das habe ich doch schon gesagt."
Er: "Du hättest die Heizung andrehen können."
Sie: "Das war zu warm."
Er: "Hast du denn die vielen Vögel vor dem Haus gesehen?"
Sie: "Warum?"
Er: "Die haben so nett im Gras gepickt."
Sie: "Ist das da eigentlich der Kaffee?"
Er: "Ja, natürlich. Es sieht doch sehr danach aus."
Sie schaut skeptisch auf die Bodum-Kanne (oder im hippen Denglisch: Frenchpress).

Dann verließen wir langsam die Szenerie.

8.1.16 23:33, kommentieren

Wo die Kängurus an die Tür klopfen

Hotels kennen wir nun - meine Hotelclub-Karten füllen sich auch gut mit Bonuspunkten. Zeit also, mal was Neues zu wagen: in Apollo Bay hatten wir uns in einem Retreat einquartiert. Und "in Apollo Bay" ist vielleicht etwas viel gesagt. Das Retreat liegt etwa 8 km vom Zentrum entfernt - und wir hatten schon von der etwas mühsamen Anfahrt gelesen.

Auf Los gings los. 8 km Schotterpiste (natürlich ohne Begrenzungen), schön kurvig, bergauf quer durchs Auenland lagen also vor uns. Spurrillen und harte Kanten auf beiden Seiten des Weges gab es kostenlos mit dazu. Ebenso natürlich den Linksverkehr und dem darauf angepassten Auto. An den breitesten Stellen passten zumindest zwei Autos nebeneinander. Da konnte dann der Gegenverkehr wenigstens vorbei. Und ja, abgesehen von unserer Unterkunft gab es noch andere Unterkünfte auf der Strecke. Wir wohnten allerdings am höchsten Punkt.

Schlanke 20 Minuten später waren wir oben und genossen die Aussicht aufs Tal, das Meer und Apollo Bay. Und die nächste Überraschung wartete schon: wir wurden in fließendem Deutsch empfangen. Cornelia, die Inhaberin, ist gebürtig aus Frankfurt. (Ich habe es leider versäumt sie zu fragen, ob sie von Lufthansa käme.)

Studio mit Panorama-Fenster auf dem wirklich riesigen Anwesen: wow. Also weniger das Studio, als die Aussicht. Auf dem nächsten Hügel hockten gleich mal vier Kängurus. Sagen wir mal, die nächsten Nachbarn waren weiter entfernt. Grandios. Des Abends huschte man erst am Fenster vorbei, um dann des Nachts wieder zu kommen. Ein leichtes Klopfen an der Tür und ordentlich Bewegung - ja, die Kängurus grasten gemütlich vor unserer Tür.

Den Koala haben wir leider nicht gesehen, dafür wirklich genügend Kängurus. Meetingräume wie auch ein Tennisplatz sind übrigens auch vorhanden. Wen also die Lust gepackt hat. Es könnte nur an den Wochenenden schnell ausgebucht sein. Da findet regelmäßig der Workshop der Kunst-Therapie Gruppe statt.

8.1.16 22:53, kommentieren